Warum wir streiten.

Vor einiger Zeit publizierte die „Neue Zürcher Zeitung“ Ergebnisse einer Untersuchung von Robert Axelrod und William D. Hamilton, zwei Professoren der University of Michigan. Sie konnten in ihrer Arbeit nachweisen, dass Konflikte nur sinnvoll und nachhaltig gelöst werden, wenn beide Parteien fähig sind, sich zu wehren und es auch tun! Damit ist nicht das simple und brutale „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gemeint, sondern die Klugheit, auf faire, ehrliche, aber konsequente Art für seine eigenen Anliegen einzustehen und dafür in angemessener Form zu kämpfen.

Wenn wir lernen, Konflikte konstruktiv auszutragen und auch beim Streiten die Kontrolle über uns selbst nicht zu verlieren, dann lösen wir uns aus der Opferrolle. Wir übernehmen selbst die Verantwortung für die Gestaltung unseres Lebens.

Die Frage lautet darum nicht: Soll ich streiten oder nicht? Sondern: Wie will ich den Konflikt austragen? Wie streite ich richtig? Wie will ich mich verhalten, damit ich stolz auf mich selbst sein kann. Mit dieser Haltung können wir unsere Umwelt ein Vorbild sein, indem wir mithelfen, den Weg zu konstruktiven und positiven Lösungen freizumachen. Wir setzen damit nicht nur ein nachahmenswertes Zeichen für unsere nächste Umgebung, es trägt sogar ein kleines bisschen zum Frieden auf unserer Welt bei.

Die Fähigkeit zu streiten ist für unser Leben von grundlegender Bedeutung. Die Fähigkeit eine Auseinandersetzung auszuhalten und in richtige Bahnen zu lenken, ist der „Lackmustest“ für die eigene Glaubwürdigkeit und die Nagelprobe für die Qualität unserer Persönlichkeit.

Alles ist Bewertung...

Wenn zwei Menschen sich begegnen, treffen immer auch zwei Bewertungswelten aufeinander. Selten sind diese beiden Welten deckungsgleich. Gerade in Beziehungen erkennt man früher oder später, dass der Partner oder die Partnerin in vielen Bereichen ganz andere Vorstellungen hat, die mit unseren Bewertungen leider nicht übereinstimmen.

Da jeder Mensch im Laufe des Lebens aufgrund seiner eigenen Erfahrungen sein ganz persönliches Wertesystem aufbaut, ist ein Glücksfall, wenn eine Situation oder eine Sache von zwei Menschen genau gleich gesehen und bewertet wird. Dass daraus Widersprüche und Konfrontation entstehen können, ist die logische Folge. Die Basis für Konflikte liegt darum immer im Phänomen des Bewertens. Wir können gar nicht anders, als alle Vorkommnisse, Reize und Impulse, die wir bewusst oder unbewusst wahrnehme, aufgrund unserer Erfahrung zu bewerten. In Abwandlung von Descartes’ berühmten Satz: „Cogito, ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) können wir sagen: Ich bewerte, also streite ich.

...und Gefühl!

Für sich genommen sind unterschiedliche Bewertungen noch kein Anlass für Konflikte – sie tragen jedoch das Potenzial für Zoff und Zank in sich. Der wahre Explosivstoff stammt von den Gefühlen, die sich mit der Bewertung verbinden.

Die moderne Hirnforschung hat den Ort entdeckt, wo unsere emotionalen Ladungen sich mit unserem individuellen Bewertungssystem verknüpfen. Oder anders gesagt: wo der Konflikt seinen Sitz im Hirn hat. Im limbischen System unseres Hirns sitzt der Mandelkern, in der Sprache der Neurowissenschaft „Amygdala“ genannt. Er ist als Schaltstelle für unsere Gefühle und Bewertungen für den energetischen Antrieb des Menschen verantwortlich. Hier werden die Botenstoffe generiert, die unsere Gefühle wie Liebe und Hass, Furcht und Mut aktivieren und mit den im ganzen Hirn verteilen Zentren unserer Bewertungsstrukturen verbinden. Würde man die Amygdala zerstören, so gäbe es keine Konflikte und keinen Streit mehr. Aber der Preis dafür wäre sehr hoch. Der Mensch verfiele in Gleichgültigkeit und Orientierungslosigkeit. Nichts hätte mehr für ihn Bedeutung. Wenn keine Botenstoffe mehr aktiviert werden können, empfindet er nichts mehr. Weder positives noch negatives.

So seltsam es klingen mag: Die Fähigkeit zu streiten ist auch Zeichen für das einwandfreie Funktionieren unsres Mandelkerns und damit auch unserer Gefühlswelt mit den dazugehörenden Bewertungssystem.

Jedem Konflikt liegen subjektive Befürchtungen und Ängste zugrunde

Die negativen Gefühle, die wir als Ärger, Wut, Unbehagen, Ablehnung und wo weiter wahrnehmen, sind alles Alarmzeichen, die unser biologisches System generiert, wenn es glaubt, in irgendeiner Weise bedroht zu sein oder zu werden. Dieser Prozess läuft schnell und automatisch ab. Für unser Gefühl ist es nicht entscheidend, ob eine objektive Bedrohung vorliegt oder ob wir einer Täuschung unterliegen.

Es reicht, wenn wir es meinen und uns in unserem Leben subjektiv beeinträchtigt fühlen. Darum sind unsere heftigen Reaktionen für andere oft völlig unverständlich, weil für sie keine Bedrohung vorliegt und sie unsere Gefühle nicht nachvollziehen können.

Selbst wenn äusserlich alles ruhig und kontrolliert abzulaufen scheint, gibt es niemals einen Konflikt, dem nicht Ängste zugrunde liegen. Beim Streiten entlädt sich diese Energie, indem sie sich gegen die Befürchtungen auslösende Person richtet.

Aus diesen Überlegungen lässt sich ableiten: Wir streiten, um eine echte oder scheinbare Bedrohung abzuwenden.

Wie also konstruktiv mit diesen starken Energien umgehen? Im Buch „Liebe, Zoff und Zank“, das Sie auf dieser Website bestellen können, finden sich praktische und konkrete Lösungen.

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